Im Gespräch mit P. Stephan Dähler, Provinzial: «Es ist selbstverständlich, dass wir zusammengehören»

21. Mär 2018

Nach dem Provinzkapitel in St.Gabriel bereiten sich die Steyler nun aufs Generalkapitel vor. Ein Gespräch mit P. Stephan Dähler zu Situation und Herausforderungen in der Mitteleuropäischen Provinz.

Im Gespräch mit P. Stephan Dähler, Provinzial: «Es ist selbstverständlich, dass wir zusammengehören»

P. Stephan, im Mai dieses Jahres sind es zwei Jahre her seit dem Start der neuen Mitteleuropäischen Provinz. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir hatten Anfang Februar eine Provinzversammlung, zu der alle Mitbrüder der Mitteleuropäischen Provinz eingeladen waren und anschliessend ein Kapitel, das die Beschlüsse des 1. Kapitels der neuen Provinz miteinander besprochen hat.  Es kamen über 60 der insgesamt 123 Mitbrüder der weitläufigen Provinz von Paris bis Zadar, Kroatien zusammen. Ich habe mich gefreut, dass aus allen Gemeinschaften Mitbrüder da waren. Die Stimmung war sehr gut. Es ist inzwischen selbstverständlich, dass wir zusammengehören. Inhaltlich spielt sich das Leben natürlich in den einzelnen Gemeinschaften vor Ort ab. Das war in den sehr offenen Diskussionen dann auch einer der Hauptpunkte. Wir müssen uns vor Ort Zeit nehmen, um miteinander zu überlegen und festzulegen, wie wir unser gemeinschaftliches Leben gestalten wollen. Das sieht überall wieder anders aus. Die Leitung der Provinz soll den Prozess vor Ort unterstützen und hilfreiche Erfahrungen aus anderen Gemeinschaften der Provinz weitergeben. 

 Was waren die positiven Erfahrungen aus dem Zusammenschluss, was waren besondere Herausforderungen?

 Es hat bei einigen schon fast nostalgische Erinnerungen geweckt, eine volle Krypta in unserem grossen Missionshaus St. Gabriel mit vielen «jüngeren» Mitbrüdern und einen vollen Gesang zu erleben. Es geht mir nicht um die Nostalgie, aber darum, dass der Rahmen etwas weiter gesteckt wurde, so dass wir spürbar erleben: Es gibt nicht nur Maria Hilf, die Marienburg, St. Gabriel... Es gibt viel mehr. Natürlich ist jede Gemeinschaft vor Ort mit ihren Herausforderungen beschäftigt, aber der Rahmen ist eben grösser! Die besonderen Herausforderungen sind sicher die äusseren Distanzen von Paris bis Zadar, die verschiedenen Sprachen und Situationen in den vier Ländern und eben immer wieder die Aufgabe, das Ganze im Blick zu haben.

Sie selbst pendeln seither zwischen den Ländern: Wie empfinden Sie dieses «neue» Leben?

Spannend, aber auch manchmal körperlich ermüdend. Es ist ein Geschenk, sich immer wieder auf ganz verschiedenen Lebensrealitäten einlassen zu dürfen und die Vielfalt zu erleben. Mein Ziel ist es, diese Vielfalt in den einzelnen Gemeinschaften lebendig zu halten, wenn ich von den Erfahrungen der anderen Teile der Provinz informiere. Es ist aber auch gut zu wissen, dass meine Aufgabe zeitlich beschränkt ist. Vor Weihnachten stehen wie alle drei Jahre Wahlen an. 

Im Sommer treffen sich die Steyler zu einem Generalkapitel in Rom. Was bedeutet das für das Leben der Steyler in Ihrer Provinz?

Das Generalkapitel wird in den Gemeinschaften und den Provinzen intensiv vorbereitet. Wir haben die Ergebnisse der Vorbereitung aus den Gemeinschaften in der Provinzversammlung zusammengetragen und als Provinz diskutiert. Das Generalkapitel lädt uns zu einer spirituellen Vertiefung unserer Berufung als Ordensmissionare ein. Dabei ergaben sich für unsere Provinz drei wichtige Pfeiler für die nächsten Jahre in diesem Prozess der Erneuerung und Veränderung. Wir haben uns vorgenommen

1. Die Gemeinschaft in den vielfältigen Dimensionen zu fördern, d.h. wir nehmen uns Zeit, miteinander das Leben vor Ort zu gestalten und der Gemeinschaft eine für den Ort passende Struktur zu geben.

2. Das Vor-Ort-Prinzip zu beachten: Zuerst und vor allem von unten her! Die Gemeinschaften vor Ort sind verantwortlich, die Begabungen der Mitbrüder zur Entfaltung zu bringen.

3. Die Einführung und Begleitung von Neumissionaren zu priorisieren. Durch Begleitung in den verschiedenen Bereichen des Hineinwachsens in den missionarischen Dienst vor Ort sollen die Mitbrüder, die zu uns kommen zur Eigenverantwortung geführt werden.   

Was für Projekte beschäftigen Sie in diesem Jahr besonders? Und welche Pläne gibt es in der Schweiz?

Seit der Provinzversammlung sind es die gerade genannten drei Punkte. Ich denke, dass wir in der Schweiz mit diesem Vor-Ort-Prinzip schon recht grosse Übung haben. In der Gemeinschaft der Marienburg haben wir uns für das Jahr 2018 grundsätzlich einmal darauf geeinigt, dass wir nach den doch recht aufregenden Jahren von Schulschliessung und erfolgreichem Verkauf der Liegenschaft, zu geniessen, dass wir als Gemeinschaft in der Marienburg leben dürfen. Im Aufbau befindet sich das Zusammenwachsen im einzigen länderübergreifenden Distrikt der Provinz. Zum Distrikt Rheintal gehören die Mitbrüder in der Marienburg und in Dornbirn. In Maria Hilf, Steinhausen, beschäftigt die Gemeinschaft eher die Einführung und Begleitung von Neumissionaren. Mit der Diözese zusammen sind wir auf der Suche, wie wir wo in den (neuen) Seelsorgestrukturen mitarbeiten können. 

Setzen Sie sich jeweils ein Jahresmotto? Wie lautet es? Was sind Ihre Ziele 2018?

Für 2018 hat die Generalleitung uns mit dem Generalkapitel das Motto mit auf den Weg gegeben: «Die Liebe Christi drängt uns (2 Kor 5,14): Verwurzelt im Wort, Seiner Sendung verpflichtet.» Ich möchte mit meinen Mitbrüdern und mit den vielen, die uns verbunden sind auf dem Weg zum Menschen bleiben und mich einsetzen für das, was uns dieser Jesus ins Stammbuch geschrieben hat. Einiges davon kommt im offiziellen Gebet für das Generalkapitel zum Ausdruck:

Als Missionare des Göttlichen Wortes

bereiten wir uns auf das nächste Generalkapitel vor.

So entzünde in unseren Herzen die Flamme Deiner Liebe. 

Erneuere unsere Bereitschaft,

uns immer mehr in Deinem Wort zu verwurzeln,

in dem die Quelle und das Fundament unseres Lebens,

unserer Berufung und Mission liegt. 

Möge Deine grenzenlose Liebe uns drängen

und in missionarische Jünger verwandeln,

die Dein Reich des Friedens und der Versöhnung

an jedem Ort, unter jedem Volk 

und in allen Kulturen verkünden.

Alles, was wir und unsere Missionspartner tun,

möchten wir in aufrichtiger Liebe tun,

so wie Du uns geliebt hast.


(Interview: Roger Tinner, Foto: Steyler Missionare/Lisa Maria Trauer)

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