Mexiko
In Salto de Agua führen die Steyler Missionare das Migrantenhaus «Casa Betania – Santa Martha». Hier geht es um Soforthilfe für Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Sicherheit und Heimat alles verloren haben.
Seit 40 Jahren betreuen Steyler Missionare die Pfarrei «San Fernando de Guadalupe» in der Stadt Salto de Agua. Neben der Pastoral in 94 Gemeinschaften engagieren sich die Steyler auch im sozialen Bereich.
Die «Casa Betania – Santa Martha» wurde 2016 gegründet hat ihren Namen vom biblischen Bethanien, wo die heilige Martha Jesus in ihrem Haus gastfreundlich bewirtete. In ihrer Nachfolge sieht sich das Haus in Mexiko als Migrantenherberge. Das Haus bietet jährlich gegen 1000 Migrantinnen und Migranten eine «Oase» des Willkommens und der Zuneigung.
Steyler Missionsschwestern und Steyler Mitbrüder arbeiten hier zusammen, um Menschen zu betreuen und zu verpflegen, die ihre Heimat wegen materieller Not, Unsicherheit und eines Klimas der Gewalt verlassen haben. In der Hoffnung auf Arbeit und bessere Lebensbedingungen sind sie unterwegs Richtung USA. Sie kommen seit vielen Jahren durch Salto de Agua. Unabhängig von Herkunft, Sprache, sozialem Status, Geschlecht oder Glaubensbekenntnis werden die Menschen in der Casa Betania aufgenommen. Auf ihrer Migrationsroute sind die Menschen grossen Gefahren ausgesetzt: Erpressung, Raub, Überfällen, Menschenhandel, Krankheiten, Vergewaltigungen. Die Migration ist ein Drama der Trennung: Familien werden getrennt, Kinder von ihren Eltern, alle von ihrer Heimat. Die Mitarbeitenden der Casa Betania versuchen, sie herzlich zu empfangen, ihre Müdigkeit und Angst zu lindern, ihren Durst und Hunger zu stillen.
Seit der Gründung der Casa Betania werden dort auch Medikamente, Beratung zu Menschenrechten und spirituelle Begleitung angeboten. Zusätzlich gilt es in der lokalen Bevölkerung Verständnis und Mitgefühl zu schaffen, denn auch hier gibt es Situationen von Unsicherheit und Fremdenfeindlichkeit.
Die zweite Amtsperiode von US-Präsident Trump, aber mehr noch der Einfluss der Drogenkartelle und Schleuserbanden haben dazu geführt, dass sich die Migrantenrouten verändert haben, und seitdem nur noch weniger als 1'000 Migranten im Jahr die Dienste der Casa Betania in Anspruch nehmen.
Die Projektverantwortlichen wollen die Casa Betania als Migrantenherberge trotzdem weiterführen, haben aber gleichzeitig überlegt, wie die Einrichtung auch für andere Zielgruppen in der Umgebung ihre Dienste anbieten könnte.
Ab 2026 dient die Casa Betania zusätzlich dem Zweck, sich der Nöte von indigenen Minderheiten der Ch’ol, die zur Maya-Familie gehören anzunehmen. Insbesondere soll die medizinische Versorgung der Indigenen Bevölkerung verbessert werden. Der Bedarf an gesundheitlicher Unterstützung für diese indigenen Gemeinschaften ist entstanden, weil sie wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit Diskriminierung erfahren und keine rechtzeitige oder angemessene Versorgung erhalten. Auch die Unterstützung von Frauen, die häusliche Gewalt erleben, wird vom Projekt berücksichtigt und im Rahmen der Arzttermine in der Casa Betania besprochen.
Die Gruppe «Couples for Christ», zu der auch Ärzte und andere engagierte «Laien» gehören, ist in der Pfarrei sehr aktiv und setzt sich ehrenamtlich zusammen mit den Steyler Schwestern für das Projekt ein.
Die 94 Gemeinden innerhalb der Pfarrei, die in sechs Gruppen unterteilt sind, erhalten ein- bis zweimal monatlich Termine für die medizinische Versorgung in der Casa Betania. Diese wird von einer Gesprächsrunde für Familien und Frauen begleitet, wo es um Vertrauensaufbau und Bewusstseinsbildung zur Vermeidung von gesundheitlichen Problemen und körperliches und seelisches Wohlbefinden geht. Während dieser Gesprächsrunde erhält jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer eine medizinische Konsultation und benötigte Medikamente. Nach der Beratung mit dem Arzt wird das Treffen fortgesetzt und schliesst mit einem gemeinsamen Essen. Grössere Behandlungen werden in den Spitälern in Salto de Agua und Villahermosa durchgeführt. Die Patienten werden ins Spital begleitet, um einer allfälligen Diskriminierung entgegenzuwirken.
Die Steyler Mitbrüder unterstützen das Projekt durch Weiterbildung der Gemeindeleiter und Koordinierung in den Gemeinschaften in den Aussenstationen. Die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung soll verringert werden durch von der Pfarrei organisierte Weiterbildungsanlässe, Bewusstseinsbildung, Austausch von Erfahrungen und gegenseitige Unterstützung.
Es gibt einen von Steyl Medien produzierten Film, der die Arbeit der Casa Betania als Migrantenherberge vorstellt.